Vita
Vita
1942 geb. Dresden
1959-62 Zeichenakademie Hanau,
1976 Sommerakademie Geras/Österreich, Malerei
1977-79 Kunstschule Blankenese, Hamburg
1980-90 Akademie Leonardo, Hamburg
1985-92 Mal- und Zeichenlehrerin in der Akademie Leonardo, Hamburg
1980-01 Mal- und Zeichenunterricht in eigenem Atelier
Arbeitsaufenthalte
1978-1988 Toskana/Italien, Cornwall/England, Indien, Marokko, Provence/ Frankreich
1992 Werkstatt Eglau, Sylt, Radierung bei Prof. Walter Dohmen
1993 Werkstatt Eglau, Sylt, Radierung bei Klaus Schweier
1994 Werkstatt Eglau, Radierung bei Prof. Margret Sander
1995-2001 Florida/USA
2001-2022 Goult/Provence, Frankreich
seit 2010 Atelier in Berlin
Ausstellungen (Auswahl)
1977-81 Galerieverein, HH-Blankenese
1982-92 Kunstzentrum im Röperhof (Hamburg)
2003 Großmoordamm, Hamburg-Harburg
2015 Galerie Bertrand Kass, Innsbruck/Österreich
2016 Societa belle arti Verona, Verona/Italien
2016 Berliner Liste, Kunstmesse, Berlin
2016 Galerie am Gendarmenmarkt, Berlin
2018-25 Art Spring Berlin „Tag des offenen Ateliers“
2020 Theater – Zimmer 16, Berlin
2023 SOS Kinderdorf, Berlin
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Die Kunstwerke von Edelgard Giesbert zeichnen sich durch eine Verbindung von expressiven Stimmungsbildern, vielschichtigen Texturen und figürlichen Elementen aus. Ihre Arbeiten entfalten eine starke emotionale Wirkung, die durch intensive Farbgebung, dynamische Linienführung sowie die subtile Verwendung von Licht und Schatten unterstützt wird. Es entstehen Bildwelten, die zwischen Abstraktion und Figuration oszillieren und dabei eine atmosphärisch dichte, eigenständige Bildsprache entwickeln. Zentrale Themen des Menschseins – Emotionen und innere Zustände, Naturerfahrungen und Landschaftsräume, Bewegung, Übergänge und Veränderung – finden in ihren Werken ihren Ausdruck. Die Abstraktion dient nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, tiefer liegende emotionale und psychologische Prozesse sichtbar zu machen. In der offenen Struktur ihrer Kompositionen spiegeln sich nicht nur äußere Eindrücke, sondern auch innere Welten wider – Träume, Erinnerungen, Spannungen.
Die zeichnerische Darstellung verweist auf eine bewusste und konkrete Auseinandersetzung mit diesen Themen. Verschiedene Techniken beweisen einen geschulten Umgang, in dem in freier, offener Weise mit abstrakten Formen gearbeitet wird – mit Andeutungen und seltenen Konkretisierungen. Die Maltechniken erzeugen eine komplexe, mehrschichtige Bildstruktur, in die sich der Blick des Betrachters vertiefen kann. Es entstehen Werke, die zum Dialog einladen: mit der Künstlerin, dem Bild selbst – und dem eigenen Selbst. Jede:r kann für sich entscheiden, wie tief dieser Dialog reicht. So bleibt ein Freiraum, in dem sich das Werk individuell erschließen lässt – als Anregung, als Sichtweise, als Impuls. Keine eindeutige Darstellung, sondern eine offene Wahrnehmung in Facetten, in Ebenen – eine Einladung zur eigenen Interpretation.
Die Einbindung figürlicher Elemente verleiht vielen Arbeiten eine narrative Dimension. Oft treten aus dem Gewebe von Farbe und Linie schemenhafte Gestalten oder körperhafte Formen hervor – wie Erinnerungen oder Empfindungen, die im Bild ihren Ort finden. Diese Andeutungen erweitern die Themenwelt der Werke um Fragen von Identität, Körperlichkeit, Beziehung und Erinnerung. In dieser Balance von Abstraktion und Figuration liegt eine besondere Stärke von Giesberts Arbeit: Sie schafft Resonanzräume, ohne sich festzulegen oder eine Lesart vorzugeben. Zugleich zeugen ihre Werke von einer tiefen Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Strömungen und Techniken. Giesbert verbindet traditionelle Malweisen mit einem zeitgenössischen Formbewusstsein. In ihrer Arbeit finden sich subtile Bezüge zur Kunstgeschichte – von der Maltechnik der Alten Meister über die Gestik des Expressionismus bis hin zu den offenen Kompositionsformen der Abstrakten Kunst. Besonders deutlich ist die Nähe zu Positionen des 20. Jahrhunderts, in denen emotionale Direktheit mit intellektueller Reflexion verknüpft wurde. Auch Impulse der Avantgarde sind spürbar – etwa im Wechselspiel von Spontaneität und Kontrolle, im bewussten Umgang mit Kompositionsprinzipien oder im Streben nach einem „unmittelbaren Ausdruck“, wie ihn viele Künstler:innen der Moderne verfolgten. Dabei verbindet Giesbert Intuition und Analyse, Geste und Konzept, Emotion und Form. Diese Verbindung verleiht ihren Arbeiten Tiefe, Nachhall und visuelle Komplexität.
Ihre Bildsprache eröffnet Räume, in denen Betrachtende verweilen, entdecken, sich verlieren und wiederfinden können. Ihre Werke sind keine flüchtigen Eindrücke, sondern Aufforderungen zur vertieften, persönlichen Auseinandersetzung. Sie lassen sich nicht abschließend erfassen, sondern entfalten sich im Prozess der Betrachtung – in Schichten, in Bedeutungsnuancen, im Zusammenspiel von Form und Gefühl. So verkörpert Edelgard Giesberts Kunst eine Verbindung von Intuition und Reflexion, von emotionaler Tiefe und gestalterischer Präzision, von Tradition und zeitgenössischer Relevanz. Ihre Werke sind zugleich sinnlich und geistig, persönlich und offen, fragil und kraftvoll. Sie eröffnen Erfahrungsräume, die sich bei jeder Betrachtung neu erschließen – als Brücke zwischen innerer Erfahrung und äußerer Welt, zwischen individueller Empfindung und kollektiver Bildsprache.